Hotline: +49 30 555 7053 0 (Montag bis Freitag | 09:00 - 18:00 Uhr)

Anmelden
DE | en |

Beratung zur Zweitmeinung

+49 30 55570530

Montag - Freitag | 09:00 - 18:00 Uhr

Direkt zur Zweitmeinung

11. Februar 2014

Medizin im Wandel: Telemedizin

Tele-Medizin

Prof. Dr. Klaus Bohndorf

Prof. Dr. Klaus Bohndorf

Experten-Interview: Aus den Augen eines Teleradiologen und Telemediziners

Interview mit Prof. Dr. Klaus Bohndorf, ehemaliger Leiter der Radiologie des Klinikums Augsburg, Gastprofessor an der Universität Wien und Teleradiologe der ersten Stunde. Prof. Bohndorf ist Mitglied des Experten-Netzwerkes von Medexo und berät Kollegen und Patienten bei radiologischen Fachfragen auf dem Gebiet der Diagnostik des Skeletts und der Gelenke. Wir trafen uns mit ihm, um über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Telemedizin zu sprechen.

Seit wann beschäftigen Sie sich als Arzt mit Telemedizin/Teleradiologie/u.a.?

Seit circa 20 Jahren. Wir haben am Klinikum Augsburg schon vor den gesetzlichen Regelungen nachts und am Wochenende Schädel CTs für kleinere umgebende Kliniken bewertet. Das begann mit der Telefonleitung und bei uns ausgedruckten Papierbildchen. Für die Frage “Blutung: ja oder nein” hat es gereicht und war ein erster Fortschritt.

Was ist Telemedizin? Was sind die Vorteile zu „früher“?
Telemedizin ist immer Konsultation zwischen zwei Partnern, früher in der Regel zwischen zwei Ärzten, die physisch nicht beieinander sind. Das technische Medium (Telefon, Email, Brief, ISDN, VPN, etc.), ist nicht das Entscheidende. Neu ist heute nur die Schnelligkeit, die Datenmengen, und die Tatsache, dass auch Patienten diese Möglichkeit an Spezialisten heranzukommen, nutzen.

Die technologischen Voraussetzungen für telemedizinische Verfahren sind schon seit Jahren gegeben – warum etabliert sich Telemedizin insgesamt so zögerlich?
1. Ärzte geben ungern zu, dass Andere es besser wissen könnten. Wenn auswärtige ÄrztInnen eine andere Diagnose stellen oder zu einer anderen Therapie raten, könnte man sich als Arzt von einem Kollegen “vorgeführt” fühlen.
2. Im Gesundheitswesen wird am “Machen” verdient und nicht am “Konsultieren”. Jede Konsultation könnte ja dazu führen, dass ein Eingriff oder eine anderweitige Therapie in Frage gestellt wird.
3. Sicher ist es auch eine Hemmschwelle für Patienten, “unbekannten” Spezialisten seine Krankheitsdaten per Internet zur Verfügung zu stellen. Da muss erst durch gutes Beispiel und gute Erfahrungen Vertrauen generiert werden.

Wie schätzen Sie die Zukunft von Telemedizin und den Trend zur häufigeren Nutzung von Zweitmeinungen ein? Sind die Forderungen der Gesundheitsministerkonferenz nach einer kompletten Eingliederung in die Regelversorgung realistisch?
Ob sie realistisch sind, kann ich nicht bewerten. Sinnvoll wäre es schon. Es gibt ja auch schon sehr gute Ansätze in vielen Bereichen. In der Mammadiagnostik wurde die Doppelbefundung schon durchgesetzt. Das Problem ist, wer übernimmt die Kosten. Das zweite Problem ist die Frage der Verantwortung: bei der Telemedizin ist allgemein ganz klar geregelt, dass die letztendliche Verantwortung beim primär behandelnden Arzt bleibt – vorausgesetzt der Patient bleibt in ärztlicher Behandlung. Wenn der Patient natürlich keinen Arzt mehr aufsucht wird es schwierig mit der Verantwortung. Es kann durchaus geschehen, dass ein Patient sich nach einer ersten Diagnose eine Zweitmeinung einholt, um auf Nummer sicher zu gehen. Ergibt die Zweitmeinung eine konträre Diagnose oder Bewertung der Befunde, kann es passieren, dass sich der Patient nicht wieder beim erstbehandelnden Arzt meldet. Im besten Fall sucht er sich einen anderen Arzt oder aber, er “therapiert” sich selbst oder macht gar nichts. Da in Deutschland aus gutem Grund keine Ferndiagnosen oder -behandlungen (ohne den Patienten selbst zu sehen) erlaubt sind, muss dem Patienten klar gemacht werden, dass er dann selbst die Verantwortung übernimmt. Die Zweitmeinung, auch wenn sie vom renommiertesten Spezialisten stammt, ist eine fundierte Meinung – nicht mehr und nicht weniger.

Was bedeutet das für internetbasierte Zweitmeinungsportale wie Medexo, das Sie ja selbst unterstützen?

Für Zweitmeinungsangebote wie Medexo, die einen Fundus von Spezialisten für verschiedenste Krankheitsbilder zur Verfügung stellen, gilt das oben Gesagte in gleicher Weise: Eine “Online” ausgesprochene Empfehlung, eine gestellte Diagnose, eine Bewertung vorliegender Befunde kann nicht den behandelnden Arzt mit persönlichem Kontakt ersetzen. Ein Zweitmeinungsportal muss sich völlig unabhängig die Aufgabe stellen den Patienten oder den Arzt, am besten beide, zu unterstützen. Diese Chance sollte je nach Sachlage gesucht werden, um die eigenen Auffassungen noch einmal abzusichern oder Bedenken auszuräumen oder zu bestärken oder auch bisherige Diagnosen und Empfehlungen ganz in Frage zu stellen. Fest steht: Telemedizin kann nie der behandelnde Arzt sein oder werden. Zweitmeinungsportale wie Medexo sind eher die Alternative zum “wilden” Suchen im Internet. Dort tummelt sich bekanntlich alles, von guten Fachinformationen bis zu Angeboten von Scharlatanen. Gerade Patienten scheitern dadurch häufig beim Versuch sich eine eigene Meinung zu bilden. Statt Klarheit entsteht Verunsicherung. Spezialisten von Zweitmeinungsportalen bieten das kondensierte Wissen des Internets, verbunden mit persönlicher ärztlicher Erfahrung. Sie sind also, überspitzt gesagt, das ” bessere Internet“.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.