Hotline: +49 30 555 7053 0 (Montag bis Freitag | 09:00 - 18:00 Uhr)

Anmelden
DE | en |

Beratung zur Zweitmeinung

+49 30 55570530

Montag - Freitag | 09:00 - 18:00 Uhr

Direkt zur Zweitmeinung

22. Dezember 2016

Rückblick auf ein Jahr Zweitmeinung per Gesetz

Young surgery team in the operating room .

Vor gut eineinhalb Jahren ist das Recht auf eine unabhängige ärztliche Zweitmeinung vor operativen Eingriffen gesetzlich verankert worden, zunächst für „mengenanfällige, planbare Eingriffe“. Wir blicken zurück. Und nach vorn.

Mehr Aufklärung für eine bessere Zweitmeinungskultur
Mit der Verankerung der Zweitmeinung im Versorgungsstärkungsgesetz wollte der Gesetzgeber 2015 vor allem unnötige Operationen verhindern. Eine Studie der OECD aus dem Jahr 2013 hatte Deutschland Spitzenreitertum bei Operationen und Krankenhausaufenthalten im internationalen Vergleich attestiert. Die Gründe für die Zunahme medizinischer Operationen mögen vielfältig sein. Während Kritiker vor allem ökonomische Motivationen sahen, mit denen sich Krankenhäuser wirtschaftlich gesundstoßen sollten, mag auch die demografische Entwicklung eine Teilverantwortung tragen.

Ein weitaus einschneidender Umstand ist aber die fehlende Zweitmeinungskultur in der Bevölkerung. Denn das generelle Recht auf Zweitmeinung existierte bereits, bevor es vom Bundestag offiziell in ein Gesetz gegossen wurde. Für viele Patienten war dieses Recht jedoch ein weißer Fleck, wie der Krankenhausbetreiber Asklepios und das Hamburger Institut für Management- und Wirtschaftsforschung herausfanden. „Patienten waren sich dieses Rechtes schlicht nie bewusst. Ältere Generationen spüren zudem eine große Verpflichtung zu Loyalität gegenüber ihrem behandelnden Arzt und hinterfragen Diagnosen nicht in dem Maße, wie es jüngere Patienten tun. Hier setzt das Gesetz nun an und sieht eine Aufklärungspflicht von Ärzten gegenüber ihren Patienten vor“, sagt Dr. Jan-Christoph Loh, Geschäftsführer von Medexo. „Diese Kultur muss weiter ausgebaut werden. Es geht nicht darum, die Arbeit von erstbehandelnden Ärzten zu denunzieren, indem Diagnosen in Frage gestellt werden. Es geht darum, aus der Vielzahl der stetig zunehmenden Behandlungsmöglichkeiten die beste für den Patienten zu identifizieren. Das Gesetz bedient daher die medizinische Komplexität, die oft die Meinung mehrerer bedarf.“

Krankenkassen mausern sich zu Hauptansprechpartnern für Zweitmeinungen
Im vergangenen Jahr und bereits zuvor kamen vor allem Krankenkassen diesem Anspruch nach. Sie entwickelten eigene medizinische Expertennetzwerke oder gingen Kooperationen mit Anbietern medizinischer Zweitmeinungen wie Medexo ein. Medexo kooperiert bereits mit rund 32 Partnern, darunter 28 Krankenkassen. Seit Dezember dürfen wir auch die BKK Mobil Oil zu unseren Partnern zählen. Die offene Betriebskrankenkasse wurde gerade erst mit dem Prädikat „Von Kunden empfohlen: Hohe Weiterempfehlung“ von Focus Money und Service Value ausgezeichnet. Betriebskrankenkassen, ob offen oder geschlossen, kommt eine besondere Bedeutung bei Zweitmeinungen zu. Denn sie vertreten nicht nur die Interessen von Patienten, sondern auch die von Mitarbeitern deutscher Unternehmen. Die Arbeits- und Unternehmenskultur unterliegt derzeit drastischen Veränderungen. „Der Mensch ist Mensch, kein „Humankapital“. „Unternehmen bemühen sich, Mitarbeiter über Services und Dienstleistungen als Teil des Employer Brandings an sich zu binden. Das Thema Healthcare ist dabei zu einer wichtigen Säule geworden. Neben den klassischen Grippeimpfungen gehören eben auch Hilfestellungen vor operativen Eingriffen wie die medizinische Zweitmeinung dazu“, analysiert Tim Niemeyer, CFO von Medexo.

Aber auch bei den regulären gesetzlichen Krankenkassen wird die Zweitmeinung zum festen Bestandteil der Serviceleistungen. Oft übernehmen sie die Kosten zu 100 Prozent.

50 Prozent der Zweitmeinungsfälle führten zu alternativer Therapie
Der derzeitige Diskurs zum Thema Zweitmeinung rankt sich mittlerweile nicht mehr um die Frage ihrer Existenzberechtigung. Die Ergebnisse der vergangenen Jahre zeigen, dass sie notwendig ist, um die Lebensqualität der Menschen zu verbessern, ihnen die Angst vor einer weitreichenden Entscheidung und ihrer Konsequenzen zu nehmen bzw. ihren Weg zu unterstützen. Bei Medexo konnten wir in 50 Prozent der Fälle eine alternative Therapie zur vorgeschlagenen Operation unterbreiten. Das ist eine beachtliche Zahl, die keiner Hochrechnung unterliegt.

Zweitmeinung und Telemedizin gehen zusammen
Menschen machen Fehler. Das weiß auch der mündige, selbstbestimmte Patient von heute. Und dennoch stellt sich für ihn häufig die Frage nach dem geeigneten, unabhängigen Facharzt für eine Zweitmeinung, wenn sie nötig wird. Krankenkassen können hier weiterhelfen. Möchte man die Auswahl und Entscheidung jedoch selbst treffen, bietet die Telemedizin Möglichkeiten hierzu. Denn Deutschlands kompetente und hochqualifizierte Fachärzte sind landesweit verstreut oder der Zugang fehlt. „Die Telemedizin eröffnet Patienten eine völlig neue Bandbreite von Möglichkeiten in der medizinischen Versorgung. Für Online-Zweitmeinungen wie von Medexo bedeutet dies, dass der Patient innerhalb 10 Tagen Woche über einen Internetzugang und Kontakt zum Kernteam ein fundiertes, aussagekräftiges Gutachten von einem medizinischen Experten erhält – und somit Klarheit über die Therapiemöglichkeiten“, sagt Jan-Christoph Loh und fügt hinzu: „Die Medizin ist eine Erfahrungswissenschaft. Daher sind eigene Fallzahlen, die die Erfahrungstiefe der Experten belegen, unabdingbar“.

Die Telemedizin schafft neue Behandlungsmöglichkeiten und -zugänge. Die medizinische Zweitmeinung gehört dazu.
Die Telemedizin schafft neue Behandlungsmöglichkeiten und -zugänge. Die medizinische Zweitmeinung gehört dazu.

Medexos drei Thesen zur Entwicklung der Zweitmeinung

1. Neutralität und Unabhängigkeit werden zum Gradmesser
Ob Konsumenten, Patienten oder Nutznießer jedweder Art: allen ist eines gemein – sie stellen den Branchen und Unternehmen, die sie umgeben, immer häufiger Misstrauensvoten aus. Ihr Glauben an das nachhaltige Wirken für die Gesellschaft ist erschüttert. Die Menschen haben das Gefühl, nicht mehr im Mittelpunkt der Interessen zu stehen. Das Substitut sind Umsätze und Wachstum.

Auch in der Gesundheitswirtschaft gibt es zum Teil diese Wahrnehmung und sie hat Folgen: der Arzt verliert seine metaphorische Gatekeeper-Rolle. Patienten zieht es daher zur medizinischen Selbstversorgung durch Dr. Google oder sie suchen in ihrem engsten Freundes- und Bekanntenkreis nach der Lösung zu ihrem medizinischen Problem, um dann mit gefährlichem Halbwissen eine Entscheidung zu treffen. Die Gesundheitswirtschaft kann diese Problematik u. a. angehen, in dem sie mehr denn je die totale Neutralität und Unabhängigkeit gewährleistet. Im Fall der Zweitmeinung bedeutet das, medizinische Experten von Krankenkassen und Institutionen verstärkt zu entkoppeln.

2. Gesetzliche Klarheit bedingt die Zweitmeinungskultur
Das Gesetz zur Zweitmeinung kann in seiner jetzigen Konstellation zu Verunsicherung führen, statt Klarheit zu bringen. Es bezieht in seiner Formulierung nur wenige Therapien ein. Das bisherige Recht auf Zweitmeinung kennt jedoch diese Einschränkungen nicht, weder für das Krankheitsbild noch mit Blick auf die Anzahl erlaubter Zweitmeinungen.

Diese Intransparenz schlägt sich bereits jetzt nieder. Im aktuellen MLP-Gesundheitsreport wurde der Rechtsanspruch auf Zweitmeinung bei jeder Operation thematisiert. 79 Prozent befürworten diesen Anspruch. 13 Prozent meinen, dass eine Begrenzung aus Kostengründen wichtig sei. Aus der Umfrage wird deutlich, dass es an Klarheit zum persönlichen Rechtsanspruch fehlt. Denn das „alte“, noch gültige Gesetz kennt, wie erwähnt, keine Einschränkungen.

3. Die Zweitmeinung als Teil der medizinischen Regelversorgung schafft neue Transparenz
Das Angebot an medizinischen Zweitmeinungen in Deutschland wächst stark. Es entwickelt sich jedoch sehr heterogen und ist von Insellösungen dominiert, die eine Vergleichbarkeit unmöglich machen. Weder national noch international existieren belastbare, wissenschaftliche Erkenntnisse zu langfristiger Wirksamkeit, Nutzen und Risiken der medizinischen Zweitmeinung. Um das zu verändern, braucht es klare Strukturen und ein einheitliches, abgestimmtes Vorgehen zwischen Patienten, Ärzten und Leistungsträgern.

Verzahnt man die medizinische Zweitmeinung mit der Regelversorgung, würde eine wichtige Grundlage geschaffen, um die Leistung zu standardisieren, zu optimieren und an regionale Versorgungsunterschiede anzupassen. „Je mehr wir über die Nutzung der Zweitmeinung wissen, desto besser können wir auf die Lebensqualität der Menschen einwirken. Und das ist am Ende das Ziel einer jeden medizinischen Behandlung, sagt Dr. Jan-Christoph Loh.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.